Donnerstag, 10. August 2017

Mutter in „Erziehungs-URLAUB“ – ernsthaft?



Wo ist das Meer, die Palme, die Hängematte und der fruchtige Cocktail? Wo das All-inclusive-Buffet, der Kinderanimateur und der Entspannungstrainer?
Urlaubsfeeling kommt in unserer aus allen Nähten platzenden 4-Zimmer-Wohnung mit Blick auf den Kinderspielplatz jedenfalls nicht auf. Zwischen Wäschebergen, Einkaufszetteln und Geschirrstapeln klingt ach die karibische Musik-CD aus der Stereoanlage ziemlich fehl am Platze.


Welcher kinderlose Mensch hat sich damals wohl den Begriff „Erziehungsurlaub“ ausgedacht? Ok. Inzwischen heißt es zwar Elternzeit, aber viele Mitmenschen sind immer noch der Meinung, dass hierbei von Urlaub die Rede sein kann…


Natürlich gibt es auch bei uns ein All-inclusive-Buffet, allerdings bin ich die Hotelköchin, die alle möglichen Speisen zaubert – morgens, mittags, abends und gerne auch mal einen Mitternachtssnack – um Kind und Kegel satt zu kriegen. Und schmecken soll es ja auch noch.


Es gibt auch einen Kinderanimateur – MICH! Ich fische Wachsmalkreiden unter dem Sofa hervor, lerne lustige Kinderlieder von gefräßigen Krokodilen und wildgewordenen Affen auswendig, um das Kind zu unterhalten, tanze zu krassen Beats Ringelreigen und verstecke mich eine Million Mal pro Tag hinter dem Vorhang, um dann „Kuckuck“-schreiend hervorzuspringen, nur um ein Lachen auf Äffchens Gesicht zu zaubern.


Entspannungstrainer? Eine meiner leichtesten Übungen: 2x täglich, zum Mittagsschlaf und Abends (manchmal auch zwischendurch nachts) wende ich sämtliche Entspannungstechniken an, um das Kind erst herunterzufahren und dann liebevoll in den Schlaf zu begleiten. Immer wieder erfinde ich mich dabei neu. Meine neueste Idee: Hypnose, vielleicht geht es dann etwas schneller. Danach eine entspannende Nackenmassage für den lieben Ehemann, der von der Arbeit kommt und keinen (Erziehungs-)Urlaub hat.


Auch Zimmermädchen und Putzfrau gehören zu meinem Repertoire als Fulltime-Mami. Sich durch Wäscheberge wühlen, verschmierte Bodies mit Pinzettengriff in die Waschmaschine befördern, welche ebenfalls rund um die Uhr ihren Dienst tut. Gefühlt 3x täglich durchsaugen, nur damit das Äffchen 10 Minuten später die nächste Krümelorgie auf „sauberem Boden“ veranstalten kann.


Von Urlaub kann also nicht die Rede sein, wenn man so viele Berufe gleichzeitig ausübt und keinen müden Cent dafür bekommt. Auch Pausen sind Mangelware, 8-Stunden-Tage wären Luxus. Mein „Urlaubsjob“ geht 24 Stunden 7 Tage die Woche.


Und das Verrückteste daran ist: Trotzdem ist es mein Traumjob!

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